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Triene auf dem kalten Stein

Eine Norderney-Sage

 

 

 

Auf der Nordseeinsel  Buise lebten einst zwei große Fischersfamilien, die Vissers und die Kowalskis. Seit Generationen schon waren sie miteinander verfeindet, ohne dass überhaupt noch einer so richtig wusste warum. Während die Kowalskis dem Heilbutt, der Scholle und dem Kabeljau vom Weststrand aus nachstellten, brachen die Vissers frühmorgens vom Inselosten aus ins Meer auf.

Die beiden Familien mieden sich, wo es nur ging. Nur am Vormittag kreuzten sich ihre Wege, immer dann, wenn sie ihren frisch gefangenen Fisch auf dem Buiser Marktplatz der Bevölkerung feilzubieten hatten. So war es immer gewesen, und so ging es immer weiter.

Eines Tages begab es sich jedoch, dass von Juist her einige betrunkene Tagelöhner  mit einer kleinen Jolle an der Nordseite anlegten, um ihre Taler zu verprassen und über die jungen Fischerstöchter herzufallen. Die Gestalten machten einen wahrhaft furchteinflößenden Eindruck; es waren sieben an der Zahl, verschlagen und übel riechend, baumlange Kerle, die sich auf Juist schon vor langer Zeit einen schlechten Namen gemacht hatten. Niemand wagte es, ihnen Einhalt zu gebieten, zu viele schon waren auf der Strecke geblieben bei dem Versuch, sich den Halunken in den Weg zu stellen. Eingeschüchtert bildeten die Markttreibenden eine Gasse, als die Galgenvögel den ungepflasterten Platz schließlich erreicht hatten und sich bald einen Spaß daraus machten, Fischkörbe umzuwerfen und die hölzernen Karren zu zerschlagen.

Endlose Minuten vergingen, ehe die Spitzbrüder auch den letzten Verkaufsstand zerstört hatten und sich lüstern nach üppigen  Jungfrauen umzusehen begannen. Eine alte Frau  wimmerte leise vor sich hin, als die Strauchdiebe wenig später hinter einem steinernen Hackklotz ein junges Mädchen entdeckt hatten, deren Schönheit und Anmut ihren von Hass und Zerstörungswut rasenden Atem von einem zum anderen Augenblick stocken ließ. Es war Triene, die jüngste Tochter der Kowalskis, die von den jungen Burschen heftig umschwärmt wurde und auch den verheirateten Männern der Insel das Herz aufgehen ließ.  Ihr Vater hütete sie wie einen Augapfel, zumal sie seit einigen Wochen mit ihrem eigentümlichen Frühlingsgeruch die ganze Insel verzauberte.

Nachdem  die Unholde wieder zur Besinnung gekommen waren, zerrte ihr Anführer  Triene aus ihrem Versteck hervor, hob sie wie eine Trophäe in die Luft, setzte  sie auf den kalten Stein und lachte so fürchterlich, dass augenblicklich alle Dünenleguane ausstarben und auch einigen anderen angst und bange wurde.

Triene fürchtete sich, und sie hatte wahrhaft allen Grund dazu. Ihr Vater war mit sämtlichen Söhnen zum Bootsbauer Claassen gefahren, um mit ihm über den Bau eines neuen Fischkutters zu verhandeln. Niemand war da, der sie zu beschützen vermochte, und Joke Rass, der stärkste Mann der ganzen Insel, lag betrunken in einer großen Kiste Granat und hatte sich  vom Tag bereits verabschiedet. 

Triene schien verloren, dann jedoch geschah das Unglaubliche:  Mit markerschütterndem Kampfgeschrei bahnte sich ein junger Bursche den Weg durch die verängstigte Menschenmenge, trat dem Gesetzlosen gegen das Schienbein und stürzte sich auf ihn. Es war Malte Visser, der jüngste Sohn der großen Fischersfamilie, der schon seit langem ein Auge auf  Triene geworfen hatte und in diesem Augenblick  über sich hinauszuwachsen schien. In seiner rechten Hand hielt er einen  schlangenförmigen Kiemenatmer, den er seinem Gegner unvermittelt um den Hals wickelte und so lange an den Enden zerrte, bis der arme Seefisch schmatzend in tausend Fasern auseinanderriss.

Glücklicherweise war Trienes Peiniger gerade noch rechtzeitig  einem  Sauerstoffmangel erlegen gewesen und fiel wie ein nasser Sack zu Boden.

Ungläubig rieben die Buiser sich die Augen, ehe sie sich auf ihre eigene Stärke besannen und die Raufbolde mit Schimpf und Schande von der Insel  jagten. 

Malte und Triene hingegen sahen sich tief in die Augen und waren einander derart zugetan, dass Triene sich dazu entschloss, noch ein wenig auf dem kalten Stein sitzen zu bleiben. Als Vater Kowalski jedoch wenig später mit seinen Söhnen wieder zum Marktplatz zurückgekehrt war, stürzte er mit weit aufgerissenen Augen auf die beiden Turteltauben zu und streckte Malte mit seinem selbst geschnitzten Holzknüppel krachend zu Boden.

Regungslos blieb Malte neben einem umgestürzten Fischkarren liegen.

Noch bevor Kowalski so richtig gewahr wurde, was er gerade angerichtet hatte, brach Triene in fürchterliches Geschrei aus und setzte ihren Vater davon in Kenntnis, ohne Malte nicht mehr weiterleben zu können. Anschließend rammte sie sich ein altes Fischmesser in die Brust und verstarb, ohne auch nur einen einzigen Sohn geboren zu haben.

Doch Malte war gar nicht tot. Schon von Geburt an hatte er den Schalk im Nacken gehabt und war nach dem Keulenschlag nur auf dem Boden liegen geblieben, um allen einen gehörigen Schrecken  einzujagen und hinterher groß auftrumpfen zu können. Als er nun langsam wieder aufstand und sich vergnügt kichernd mit einem nassen Kabeljau den Hinterkopf kühlte, fand er sich urplötzlich mit vollendeten Tatsachen konfrontiert und sah keinen anderen Ausweg, als sich ebenfalls mit einem Fischmesser zu erdolchen, nicht ohne vorher noch einmal zu betonen, dass dies ja wohl das Mindeste war, was er tun konnte.

Wenig später begann es zu regnen, und alle gingen nach Hause. Sieben Tage und sieben Nächte stürmte es ohne Unterbrechung, und als sich die Wogen endlich geglättet hatten, mussten die Überlebenden feststellen, dass sich der Ostteil der Insel, der in der Folgezeit Osterende genannt wurde, von Buise abgespalten hatte.  Die Vissers blieben auf Osterende, dem heutigen Norderney, trieben regen Handel und pflanzten sich reichlich fort. Die Kowalskis hingegen, die schon seit jeher im Westen der Buise zuhause gewesen waren, erkannten bald, dass die rauhen Winde und der harte Gezeitenstrom zwischen Juist und Osterende ihnen ihre Heimat Sandkorn für Sandkorn zu rauben begannen, so dass sie irgendwann ins Ruhrgebiet auswanderten und den dortigen Bergbau begründeten.

  

Niemand kann heute mehr so ganz genau sagen, was die See damals wirklich  gegen die Buise aufgebracht hat - Vater Kowalski mit seiner antiquierten Sexualmoral oder Vissers Malte, der in seinem Drang nach humoristischer Anerkennung  die seelische Belastbarkeit eines verliebten Teenagers sträflich unterschätzte. Tatsache ist jedoch, dass das Busetief zwischen Norddeich und Norderney auch heute noch jeden einzelnen Passagier der großen, weißen Autofähren bis ans Ende der Zeit an  Buise und die Kowalskis erinnern wird.

(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Andreas Damm, Oberhausen)      

               

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